Strukturrealismus

Wissenschaft und Naturphilosophie versuchen auf verschiedenen Wegen die Frage zu beantworten, was Wirklichkeit ist und  woraus sie besteht. Ihre erste Antwort lautet: Materie, denn alles ist Stoff, die zweite ist der Geist, eine geistige Konstruktion. Neuerdings gibt es einen dritten Weg, der beide Lager zu vereinen scheint. Niemand kann heute genau sagen woraus Materie eigentlich besteht, ebenso ist völlig im Dunkeln, wie aus Nervenimpulsen ein Bewusstsein entstehen kann. Man kann aber sicher sagen, dass sowohl Materie als auch der Geist Wesensformen sind, die auf Strukturen beruhen. Gerade die mathematischen Formeln, welche heute in wissenschaftlichen Theorien verwendet werden, geben die Welt durch Gleichungen in ihrer rein strukturalen Beschaffenheit wieder, denn Strukturen sind Lagebeziehungen, bzw. Relationen. Folglich ist alles, was wir als Subjekt und Objekt definieren, eine Beziehung und hat strukturalen Charakter. Das gilt für alles, egal ob es nun die Materie oder den Geist, also unser Bewusstsein betrifft.

Nun ist die These, dass wir lediglich ein Wissen von der abstrakten Struktur, also des nicht-observablen Teils der Welt haben, zunächst mit dem Problem behaftet, dass wir über die Natur der Relationen, die die Strukturen erklären, offenbar nichts aussagen können. Strukturen sind die Essenz dessen, was unsere Realität abbildet und wie sie sich uns darstellt. Doch von jeher sind Strukturen ein gestalterisches Mittel in der Kunst. Es ist nicht nur Aufgabe der Kunst, Realität abzubilden, sondern zu hinterfragen und eigene ästhetische Welten zu erschaffen.Ein frühes Beispiel eines solchen Gedankenansatzes hatten ab 1880 bereits die Impressionisten, der Expressionismus radikalisierte diesen noch diese Haltung bis zur völligen Abstraktion, ja Gegenstandlosigkeit. Es entwickelte sich ein Stil der reinen Darstellung von Strukturen, die sich im deutschen Informel und zeitgleich in dem amerikanischen Abstract Expressionism manifestierte. Eine eigene abstrakte Richtung wurde dann philosophisch und kunsthistorisch sogar als Strukturalismus bezeichnet.

Die neue Kunsttheorie des Strukturrealismus geht von der strukturalen Beschaffenheit von Geist und Materie aus und versucht diese zu analysieren und darzustellen. Bekannte Themen der Kunst werden aus einem neuen Blickwinkel beleuchtet und setzten einen nächsten spannenden, kunstgeschichtlichen Diskurs in Gang.

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„Form und Struktur sind Relationen und diese Relationen bilden die Funktion einer verbindenden Brücke zwischen Realität und Erkenntnis. Sobald wir diese Brücke überschreiten, werden wir zu einem konstruktiven Teil der Wirklichkeit. Strukturrealismus ist somit mehr als ein gestalterischer Stil. Er ist ein konstruktiver und sichtbar visualisierter Selbstfindungs-Diskurs auf einer künstlerisch-metaphysischen Basis, eine Form der praktischen Philosophie, ein freies Spiel der Emotionen und des Kalküls, beispielhaft vorgetragen als Metapher an einer frei gewählten Figur, an einem Thema, an einer Technik, in der sich die technischen Mittel zugleich als geistige Mittel entfalten. Strukturrealisten erschaffen ein Simulakrum, ein Konzept produktiver Phantasie, das ein ozeanisches Bewusstsein fördert als Grundlage für zukünftiges Sein, so dass aus einer selbstgewahrsamen  Achtbarkeit induziert neues Bewusstsein entstehen kann. Strukturen sind Relationen, Relationen sind Beziehungen, aber Beziehungen schaffen das eigentlich wirksame Reale. Beziehungsfähigkeit wird so das notwendige Lernprogramm des Menschen. In der strukturellen Kontingenz der Gegenwart liegt die Vorstufe zur Utopie und die Chance als Kapital, das sich jenseits althergebrachter Kapitalismus Verwerfungen entwickeln kann und das Potential zu ethischem Umdenken birgt, derer unsere Planet dringend bedarf. Ein Wagnis und eine Investition die uns immer dringlicher erscheint.

Zudem hier gesagten möchte ich eine Aussage von dem berühmten Philosophen Barthes anmerken:

„Was hier als Technik bezeichnet wird, meint wohl die technischen Mittel, die aber in Kunst,
Philosophie und Wissenschaft als vorrangig geistige Mittel gesehen werden müssen.““
Hans Hushan, Feb. 2018

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